Tabu & Sichtbarkeit

I can do bleeding: Senatorin Gloria Orwoba bricht das Perioden-Tabu

In Kenia und Tansania ist die Menstruation noch immer mit tiefem Schamgefühl und sozialen Barrieren verbunden.

Das Schweigen darüber gefährdet die Gesundheit und Bildung von Millionen Mädchen. Doch eine mutige Aktion im kenianischen Parlament markierte einen Wendepunkt im Kampf gegen das Stigma.

Ein sichtbares Zeichen gegen das Schweigen

Im Februar 2023 setzte die kenianische Senatorin Gloria Orwoba ein weltweit beachtetes Zeichen. Mit einem deutlich sichtbaren Blutfleck auf ihrer weißen Hose betrat sie den Sitzungssaal des Senats in Nairobi.

Was für viele ein peinlicher „Unfall“ gewesen wäre, verwandelte Orwoba in einen bewussten Akt des politischen Protests.

„Zuerst wollte ich umkehren, doch dann dachte ich an die Millionen Mädchen, die täglich unter genau dieser Scham leiden.“
Gloria Orwoba über ihren Protest im kenianischen Parlament

Sie entschied sich, weiterzugehen – und öffentlich über ein Thema zu sprechen, das für viele Mädchen jeden Monat mit Scham, Angst und Ausgrenzung verbunden ist.

Schock im Parlament: Die Abwehr der Kollegen

Die Reaktion im Senat verdeutlichte, wie tief das Tabu verwurzelt ist. Innerhalb weniger Minuten wurde es den anwesenden Abgeordneten so unangenehm, dass eine Kollegin den Sprecher bat, Orwoba aus dem Saal zu verweisen.

Auch männliche Abgeordnete stimmten zu und bezeichneten das Thema Menstruation als „privat, tabu und beschämend“. Orwoba wurde aufgefordert, das Gebäude zu verlassen und ihre Kleidung zu wechseln.

„Nur ein Schauspiel?“ – Die Verleugnung der Realität

Der Vorfall löste eine Welle der Kritik aus. Ein männlicher Kollege beschuldigte sie sogar, den Vorfall vorgetäuscht zu haben, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Orwoba gab darauf eine klare Antwort: Viele wollten glauben, dass es nur ein Schauspiel war – denn wenn es eine Inszenierung sei, müsse man sich nicht mit der harten Realität auseinandersetzen.

Doch genau diese Realität prägt den Alltag vieler Mädchen: Sie leiden unter Scham, fehlenden Hygieneartikeln, fehlender Aufklärung und sozialer Ausgrenzung.

Ihr Protest löste eine nationale Debatte über die „Tage der Scham“ aus und rückte Periodenarmut – also den fehlenden Zugang zu Hygieneartikeln – ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit.

„I can do bleeding“ – Eine Botschaft der Stärke

Unterstützer finanzierten kurz darauf ein Plakat in der Hauptstadt Nairobi, das die Senatorin in einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift „I can do bleeding“ zeigt.

Es ist eine kraftvolle Antwort auf konservative Normen und ein Weckruf für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Dieser Mut ist die Grundlage für unsere Arbeit vor Ort. Wir führen den Kampf gegen die Stigmatisierung in den Schulen Kenias und Tansanias fort.

Die Menstruation ist kein Grund für Rückzug. Sie ist ein natürlicher Teil des Lebens und darf niemandem Würde, Gesundheit oder Bildungschancen rauben.