Nachhaltigkeit & Periodenarmut
Nachhaltigkeit: Die Wahl der Mittel im Kampf gegen Periodenarmut
Welche Lösungen sind wirklich sinnvoll, um Periodenarmut langfristig und wirksam zu bekämpfen?
Einwegprodukte scheitern oft an der Realität vor Ort. Wir vergleichen die gängigen Hilfsmittel unter Berücksichtigung von Infrastruktur, Hygiene und Umwelt.
Das Problem mit Einwegprodukten
Herkömmliche Binden und Tampons bieten keine nachhaltige Lösung. In ländlichen Regionen Ostafrikas und in Slums sind sie nicht nur zu teuer, sondern auch logistisch schwer verfügbar.
Zudem verursachen sie enorme Mengen an Abfall, für den es keine Entsorgungssysteme gibt.
Wer Periodenarmut besiegen will, muss Unabhängigkeit schaffen – und das gelingt nur über wiederverwendbare Lösungen.
Der Vergleich: Stoffbinden vs. Menstruationstassen
In unserer Arbeit in Kenia und Tansania setzen wir auf zwei Hauptlösungen, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile bieten.
Wiederverwendbare Stoffbinden
Stoffbinden sind oft der erste Schritt zur Besserung, stoßen aber an infrastrukturelle Grenzen.
- Vorteile: Sie ermöglichen lokale Wertschöpfung, da kleine Initiativen vor Ort durch das Nähen Einkommen erzielen können. Zudem sind sie bereits für sehr junge Mädchen unkompliziert anwendbar.
- Herausforderungen: Ihr größtes Problem ist der Wasserbedarf. Um hygienisch sauber zu bleiben, benötigen sie viel Wasser, das in vielen Regionen knapp ist.
- Im Alltag: Stoffbinden müssen zum Trocknen im Freien aufgehängt werden – ein Problem in Gesellschaften, in denen die Periode verborgen bleiben soll. Da sie oft gewechselt werden müssen, scheitern sie im Schulalltag häufig an mangelhaften Toiletten. Ihre Haltbarkeit ist auf etwa zwei bis drei Jahre begrenzt.
Menstruationstassen – die 10-Jahre-Lösung
Die Epidemiologin Dr. Penelope Phillips-Howard beschreibt die Tasse in ihren Studien als hocheffektives Mittel. In unseren Projekten vor Ort sehen wir täglich, wie treffend diese Analyse ist und welche Freiheit sie den Mädchen schenkt.
- Langfristigkeit: Eine einzige Tasse ist bis zu 10 Jahre haltbar und sichert damit eine gesamte Schullaufbahn ab.
- Schutz im Unterricht: Sie kann bis zu 12 Stunden getragen werden. Dadurch entfällt ein Wechsel in den oft unzureichenden Schultoiletten.
- Ökologisch sinnvoll: Sie benötigt nur minimal Wasser zur Reinigung und verursacht keinen regelmäßigen Abfall.
Die Anwendung erfordert jedoch eine intensive Einweisung und wird meist erst ab einem Alter von etwa 14 Jahren empfohlen.
Unsere Strategie: Bedarfsgerecht und nachhaltig
Wir setzen primär auf die Menstruationstasse als Goldstandard für langfristige Bildungsgerechtigkeit. Jüngere Schülerinnen unterstützen wir gezielt mit hochwertigen Stoffbinden.
Durch diesen differenzierten Ansatz stellen wir sicher, dass die Hilfe nicht nur kurzfristig ankommt, sondern die Mädchen über Jahre hinweg schützt.
Wir investieren in Lösungen, die unabhängig von teuren Lieferketten funktionieren und die Umwelt schonen.
Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Kontext nicht nur Umweltschutz. Sie bedeutet Unabhängigkeit, Würde und langfristige Bildungschancen.

